Edwards Audio MC 5 MK II
€890,00
Hochwertiger MM/MC-Phonovorverstärker mit diskreter Eingangsstufe, präziser RIAA-Entzerrung und doppelt geregeltem internem Netzteil. Der Edwards Audio MC5 MKII bietet umschaltbaren MM-/MC-Betrieb, intern anpassbare Verstärkung und eine musikalische, dynamische Wiedergabe.
Beschreibung
Edwards Audio MC5 MKII – MM/MC-Phonovorverstärker
Der Edwards Audio MC5 MKII ist ein hochwertiger Phonovorverstärker für Moving-Magnet-, High-Output-MC- und Low-Output-MC-Tonabnehmer. Er verbindet eine vollständig diskrete Eingangsstufe mit einer präzisen RIAA-Entzerrung, einer gepufferten Ausgangsstufe und einem aufwendig aufgebauten internen Netzteil.
Über einen Schalter auf der Rückseite lässt sich der MC5 MKII zwischen MM- und MC-Betrieb umschalten. Die Verstärkung kann intern an die Ausgangsspannung des verwendeten Tonabnehmers angepasst werden. Im MC-Betrieb arbeitet das Gerät ab Werk mit einem praxisgerechten Abschluss von 100 Ω und einer Gesamtverstärkung von ungefähr 67 bis 68 dB.
Damit eignet sich der MC5 MKII für eine große Bandbreite hochwertiger Tonabnehmer – von klassischen MM-Systemen über High-Output-MCs bis zu leisen Low-Output-MC-Tonabnehmern.
Hochwertige Phonowiedergabe für MM und MC
Das Signal eines Tonabnehmers ist wesentlich kleiner als das eines CD-Players, Streamers oder Digital-Analog-Wandlers. Besonders Low-Output-MC-Tonabnehmer liefern häufig nur wenige Zehntel Millivolt.
Eine hochwertige Phonostufe muss diese sehr kleinen Spannungen stark verstärken, ohne Rauschen, Brummen oder hörbare Verzerrungen hinzuzufügen. Gleichzeitig muss die bei der Schallplattenherstellung verwendete RIAA-Kennlinie präzise zurückentzerrt werden.
Der Edwards Audio MC5 MKII erfüllt diese Aufgaben mit einer mehrstufigen Schaltung, die für hohe Dynamik, geringes Grundrauschen und eine sehr niedrige Ausgangsimpedanz ausgelegt ist.
Umschaltbar zwischen MM und MC
Auf der Rückseite befindet sich ein Schalter zur Auswahl der Betriebsart:
- MM für Moving-Magnet-Tonabnehmer
- MC für Moving-Coil-Tonabnehmer mit niedriger Ausgangsspannung
Im MM-Modus beträgt der Abschlusswiderstand 47 kΩ. Dieser Wert entspricht dem üblichen Standard für die meisten MM- und zahlreiche High-Output-MC-Systeme.
Im MC-Modus arbeitet der MC5 MKII mit einem Abschlusswiderstand von 100 Ω. Diese Einstellung eignet sich für viele klassische Low-Output-MC-Tonabnehmer.
Ob ein Tonabnehmer optimal zum MC5 MKII passt, hängt von seiner Ausgangsspannung, seinem Innenwiderstand und dem vom Hersteller empfohlenen Abschluss ab.
Vollständig diskrete Eingangsstufe
Das besonders empfindliche Tonabnehmersignal wird zunächst von einer diskret aufgebauten Eingangsstufe verarbeitet.
Gerade bei Low-Output-MC-Tonabnehmern ist diese Stufe entscheidend, da hier ein Signal von teilweise weniger als 0,5 mV verstärkt werden muss. Rauschen oder Störungen, die an dieser Stelle entstehen, würden in den folgenden Verstärkungsstufen ebenfalls angehoben.
Die diskrete Eingangsschaltung wurde daher auf geringes Eigenrauschen, hohe Linearität und einen großen nutzbaren Dynamikbereich ausgelegt.
Aktive Bass- und passive Höhenentzerrung
Die RIAA-Entzerrung des MC5 MKII arbeitet mit einer Kombination aus aktiver Bassentzerrung und passiver Höhenentzerrung.
Bei der Herstellung einer Schallplatte werden tiefe Frequenzen abgesenkt und hohe Frequenzen angehoben. Der Phonovorverstärker muss diese Veränderung bei der Wiedergabe möglichst exakt umkehren.
Edwards Audio gibt für den MC5 MKII eine RIAA-Genauigkeit innerhalb von 0,25 dB über den hörbaren Frequenzbereich an.
Eine präzise RIAA-Entzerrung unterstützt:
- eine natürliche tonale Balance
- kontrollierte und tiefreichende Bässe
- unverfärbte Stimmen
- klar aufgelöste Höhen
- gute Kanalgleichheit
- eine stabile räumliche Darstellung
Gepufferte Ausgangsstufe
Auf die RIAA-Entzerrung folgt eine vollständig gepufferte Ausgangsstufe mit sehr niedriger Ausgangsimpedanz.
Dadurch wird das Ausgangssignal weniger durch die Kapazität des Verbindungskabels und die Eingangsimpedanz des angeschlossenen Verstärkers beeinflusst. Der MC5 MKII kann laut Hersteller auch vergleichsweise niederohmige Lasten bis hinunter zu 600 Ω ansteuern.
In der Praxis bietet dies folgende Vorteile:
- geringe Kabelabhängigkeit
- problemlose Ansteuerung üblicher Line-Eingänge
- stabile Signalübertragung
- gute Stromlieferfähigkeit
- Einsatz längerer Ausgangskabel möglich
- hohe Kompatibilität mit Vor- und Vollverstärkern
Das Phonokabel zwischen Plattenspieler und MC5 sollte dennoch möglichst kurz und hochwertig ausgeführt sein.
Aufwendiges internes Netzteil
Der MC5 MKII ist eine vollständig integrierte Phonostufe: Audioschaltung und Netzteil befinden sich in einem Gehäuse. Ein zusätzliches Steckernetzteil wird nicht benötigt.
Das interne Netzteil arbeitet mit getrennten positiven und negativen Gleichspannungen. Die Versorgung wird doppelt geregelt, um der empfindlichen Audioschaltung möglichst stabile und rauscharme Betriebsspannungen bereitzustellen.
Zur Stromversorgung gehören unter anderem:
- speziell entwickelte Netzteilplatine
- getrennte positive und negative Versorgungsspannungen
- doppelte Spannungsregelung
- hochwertige Gleichrichterdioden
- sogenannte Snubber-Kondensatoren zur Reduzierung von Schaltspitzen
- Panasonic-Kondensatoren mit niedriger Impedanz
- sorgfältige Filterung der Betriebsspannungen
Diese Konstruktion unterstützt eine hohe Übersteuerungsfestigkeit, einen großen Dynamikbereich und ein geringes Grundrauschen.
Hochwertige Bauteile
Edwards Audio setzt beim MC5 MKII eine vergoldete, zweilagige Leiterplatte und sorgfältig ausgewählte Bauteile ein.
Dazu gehören:
- vergoldete zweilagige Platine
- eng tolerierte Vishay-MELF-Metallfilmwiderstände
- Panasonic-FM-Netzteilkondensatoren
- Vishay-Polyester- und Polypropylen-Folienkondensatoren
- selektierte Operationsverstärker
- diskret aufgebaute Eingangsstufe
- gepufferte Ausgangsstufe
- doppelt geregelte Stromversorgung
Die engen Bauteiltoleranzen sind besonders bei der RIAA-Entzerrung und bei der Kanalgleichheit wichtig.
Klangcharakter
Der Edwards Audio MC5 MKII verbindet eine hohe Detailauflösung mit einer musikalischen und dynamischen Wiedergabe.
Seine klanglichen Stärken liegen insbesondere in:
- großzügiger räumlicher Darstellung
- präziser Instrumententrennung
- kraftvoller Basswiedergabe
- guter rhythmischer Struktur
- natürlichen Stimmen
- fein aufgelösten Höhen
- hoher Dynamik
- geringem Grundrauschen
- klarer Wiedergabe kleiner Pegelunterschiede
Die MKII-Ausführung verwendet gegenüber früheren Versionen selektierte und klanglich optimierte Bauteile. Dadurch sollen insbesondere Ruhe, Klarheit und musikalischer Fluss verbessert werden.
Eingangsanpassung im MM-Modus
Im MM-Betrieb arbeitet der MC5 MKII mit einem Eingangswiderstand von 47 kΩ. Die veröffentlichte Grundkapazität liegt je nach Geräteversion beziehungsweise interner Konfiguration bei ungefähr 120 pF.
Für die tatsächliche Belastung des Tonabnehmers müssen zusätzlich die Kapazitäten von Tonarminnenverkabelung und Phonokabel berücksichtigt werden.
Beispiel:
- Phonostufe: ca. 120 pF
- Tonarm und Phonokabel: ca. 80–150 pF
- wirksame Gesamtkapazität: ca. 200–270 pF
Diese Gesamtkapazität sollte möglichst innerhalb des vom Tonabnehmerhersteller empfohlenen Bereichs liegen.
Eingangsanpassung im MC-Modus
Im MC-Modus beträgt der werkseitige Abschluss üblicherweise:
- Widerstand: 100 Ω
- zugehörige Kapazität: 22 nF
Ein Abschluss von 100 Ω ist für viele Low-Output-MC-Tonabnehmer ein sinnvoller Ausgangspunkt. Er ist jedoch nicht für jedes MC-System automatisch optimal.
Für die Beurteilung sollten folgende Herstellerangaben des Tonabnehmers berücksichtigt werden:
- Innenwiderstand
- empfohlener Abschlusswiderstand
- Ausgangsspannung
- empfohlene Verstärkung
Als grobe Orientierung wird der Abschlusswiderstand häufig mindestens fünf- bis zehnmal höher als der Innenwiderstand des Tonabnehmers gewählt. Die Empfehlung des Tonabnehmerherstellers hat jedoch Vorrang.
MC5 MKII oder MC6 MKII?
Der MC5 MKII eignet sich besonders für Anwender, die MM- und MC-Tonabnehmer verwenden möchten, aber keine umfangreiche Auswahl unterschiedlicher MC-Abschlusswiderstände benötigen.
Der MC6 MKII bietet darüber hinaus deutlich mehr interne Anpassungsmöglichkeiten. Dazu gehören verschiedene Widerstands- und Kapazitätswerte für unterschiedliche MC-Tonabnehmer.
MC5 MKII
- MM- und MC-Betrieb
- rückseitig umschaltbar
- intern anpassbare Verstärkung
- 47 kΩ für MM
- 100 Ω für MC
- einfachere Konfiguration
- hochwertiges integriertes Netzteil
MC6 MKII
- MM- und MC-Betrieb
- umfangreichere Verstärkungsanpassung
- mehrere MM-Kapazitätswerte
- unterschiedliche MC-Abschlusswiderstände
- korrespondierende MC-Kapazitäten
- empfehlenswert für häufig wechselnde oder besonders anspruchsvolle Tonabnehmer
Anschlüsse und Bedienung
Auf der Rückseite befinden sich:
- ein Paar Cinch-Eingänge für den Plattenspieler
- ein Paar Cinch-Ausgänge zum Verstärker
- eine Erdungsklemme
- MM/MC-Umschalter
- Netzanschluss
- Netzschalter
Der Ausgang des MC5 MKII wird mit einem normalen Line-Eingang des Voll- oder Vorverstärkers verbunden, beispielsweise AUX, CD, Tuner oder Line.
Er darf nicht an einen weiteren Phonoeingang angeschlossen werden.
Installation
- Schalten Sie Plattenspieler, MC5 MKII und Verstärker vollständig aus.
- Prüfen Sie, ob ein MM-, High-Output-MC- oder Low-Output-MC-Tonabnehmer verwendet wird.
- Stellen Sie den MM/MC-Schalter vor dem Einschalten auf die richtige Position.
- Verbinden Sie den Plattenspieler mit den Cinch-Eingängen des MC5.
- Schließen Sie das Erdungskabel des Plattenspielers an.
- Verbinden Sie die Ausgänge mit einem freien Line-Eingang des Verstärkers.
- Schließen Sie das Netzkabel an.
- Schalten Sie zuerst den MC5 und anschließend den Verstärker ein.
- Beginnen Sie die Wiedergabe zunächst mit geringer Lautstärke.
Wichtiger Hinweis
Die Betriebsart darf nicht bei hoher Wiedergabelautstärke gewechselt werden. Schalten Sie den Verstärker und den MC5 vor einer Änderung der MM/MC-Einstellung aus.
Aufstellung
Für einen möglichst rausch- und brummfreien Betrieb empfehlen wir:
- eine stabile Stellfläche
- ausreichend Abstand zu großen Netztransformatoren
- keine direkte Aufstellung auf Voll- oder Endverstärkern
- getrennte Führung von Netz- und Signalkabeln
- ein möglichst kurzes Phonokabel
- korrekten Anschluss des Massekabels
- gut geschirmte Cinchverbindungen
- Abstand zu WLAN-Routern, Netzteilen und Funkgeräten
Technische Daten
- Produkttyp: MM/MC-Phonovorverstärker
- Betriebsarten: Moving Magnet und Moving Coil
- Umschaltung: auf der Geräterückseite
- MM-Eingangswiderstand: 47 kΩ
- MM-Eingangskapazität: ca. 120 pF, abhängig von der Ausführung
- MM-Verstärkung: nominell 42 dB
- Weitere MM-/HOMC-Verstärkung: intern konfigurierbar
- MC-Eingangswiderstand: 100 Ω
- MC-Kapazität: 22 nF
- MC-Verstärkung: intern anpassbar
- Werkseitige MC-Gesamtverstärkung: ca. 67–68 dB
- Möglicher Verstärkungsbereich: ungefähr 42–72 dB, abhängig von der Konfiguration
- Maximale MM-Eingangsspannung: 83 mV
- Klirrfaktor: weniger als 0,008 % bei 1 kHz
- RIAA-Genauigkeit: innerhalb von 0,25 dB
- Kanaltrennung: besser als 75 dB von 20 Hz bis 20 kHz
- MM-Signal-Rausch-Abstand: ca. 83 dB, A-bewertet bei 5 mV
- Ausgangsstufe: vollständig gepuffert
- Minimal empfohlene Ausgangslast: 600 Ω
- Stromversorgung: internes, doppelt geregeltes Netzteil
- Netzanschluss: 230 V AC / 50 Hz
- Leistungsaufnahme: ca. 5–10 W
- Abmessungen: 220 × 70 × 195 mm
- Ausführung: Schwarz
Lieferumfang
- Edwards Audio MC5 MKII
- Netzkabel
- Bedienungsanleitung
Häufig gestellte Fragen
Kann ich sowohl MM- als auch MC-Tonabnehmer verwenden?
Ja. Der MC5 MKII lässt sich über einen rückseitigen Schalter zwischen MM- und MC-Betrieb umschalten.
Ist der MC5 für High-Output-MC-Systeme geeignet?
Ja, sofern das System für 47 kΩ ausgelegt ist und die interne Verstärkung passend eingestellt wurde. High-Output-MC-Systeme werden normalerweise im MM-Modus betrieben.
Ist der Abschlusswiderstand für MC einstellbar?
Der MC5 MKII arbeitet standardmäßig mit 100 Ω. Wenn mehrere unterschiedliche MC-Abschlusswerte benötigt werden, ist der MC6 MKII die flexiblere Alternative.
Kann ich die Verstärkung selbst ändern?
Die Verstärkung wird intern konfiguriert. Wegen der im Gerät vorhandenen Netzspannung sollte die Anpassung ausschließlich vom Fachhändler, Vertrieb oder einer qualifizierten Fachkraft vorgenommen werden.
Welche Verstärkung ist für meinen MC-Tonabnehmer richtig?
Das hängt vor allem von der Ausgangsspannung ab. Für Tonabnehmer um 0,5 mV reichen häufig etwa 60 bis 64 dB. Systeme um 0,2 bis 0,3 mV benötigen meist ungefähr 66 bis 70 dB.
Ist mehr Verstärkung grundsätzlich besser?
Nein. Eine unnötig hohe Verstärkung reduziert die Übersteuerungsreserve und kann das wahrnehmbare Rauschen erhöhen. Verwendet werden sollte die niedrigste Einstellung, die einen ausreichenden Wiedergabepegel ermöglicht.
Kann ich den Ausgang an einen Phonoeingang anschließen?
Nein. Der MC5 liefert bereits ein entzerrtes und verstärktes Line-Signal. Verwenden Sie einen AUX-, CD-, Tuner- oder anderen Line-Eingang.
Wann ist der MC6 MKII die bessere Wahl?
Der MC6 empfiehlt sich, wenn Sie regelmäßig unterschiedliche Tonabnehmer verwenden oder zusätzliche Widerstands-, Kapazitäts- und Verstärkungseinstellungen benötigen.
Zusätzliche Informationen
| Prinzip | Phonovorverstärker für MM und MC Tonabnehmer |
|---|---|
| Eingangswiderstand MM | 47 kOhm |
| Verzerrungen | <0.008% 1kHz |
| Verstärkung MC | + 18dB zum gewählten MM Verstärkungswert |
| Max. Eingangsspannung MM | 83mV |
| Eingangswiderstand MC | 100 Ohm @ 22nF |
| Ausführung | Schwarz |
| Lieferumfang | Netzkabel, Bedienungsanleitung |
| Netzanschluss | AC 230V/50Hz |
| Leistungsaufnahme | 5-10 Watt |
| RIAA Entzerrungsgenauigkeit | Innerhalb 0.25 dB |
| Kanaltrennung | Besser als 75dB – 20-20kHz |
| Signal-Rausch-Verhältnis (MM) | MC -83db A – gewichtet/ref 5mV |
| Abmessungen in mm BxHxL | 220 mm x 70 mm x 195 mm |
Testberichte MC 1 / MC6
Testberichte MC 1 / MC6
Einstiegsdroge?
Überholt Vinyl bald die CD? So titelte eine Tageszeitung ihren Bericht über die Entwicklung am USamerikanischen Musikmarkt. Demnach sind in den USA die Einkünfte aus Streaming-Angeboten bereits für 80 Prozent des Gesamtmarktes verantwortlich. Im kleiner werdenden Markt für physische Tonträger wird zugleich das Rennen zwischen CD und Vinylplatte immer enger — laut den im Zeitungsbericht angeführten Zahlen vom ersten Halbjahr 2019 betrug der CD-Umsatz 347,9 Millionen US-Dollar, der VinylUmsatz rangierte mit 224 Millionen Dollar nur knapp dahinter. Während der CD-Umsatz gegenüber den Vergleichszahlen von 2018 ein Plus von 0,8 Prozent aufwies, setzte sich bei der analogen Schallplatte mit 13 Prozent der Aufwärtstrend weiter fort. Branchenkenner, so hieß es in dem Bericht, vermuten deshalb, daß Vinyl heuer die CD erstmals seit ihrer
Einführung in den achtziger Jahren wieder überrunden könnte. Wohlgemerkt, das betrifft die USA. Aber auch in Deutschland weisen die Zahlen in ähnliche Richtung. Laut Industrieverband BVMI verzeichneten im selben Zeitraum die Vinylplatten einen Zuwachs von 7,4 Prozent, während der CD-Umsatz um 11,7 Prozent zurückging. Allerdings hält die CD hierzulande immerhin noch einen Marktanteil von 28,2 Prozent, während Vinyl derzeit erst bei 4,4 Prozent liegt — Tendenz steigend. Was ich damit sagen will? Daß es heute und auch in überschaubarer Zukunft einen Markt für die analoge Schallplatte gibt beziehungsweise geben wird — und darauf haben sich natürlich auch die Hersteller eingestellt. Ich behaupte sogar, daß es kaum jemals ein derart reichhaltiges Angebot hochqualitativer analoger Wiedergabegeräte gab wie heute. Das kommt nicht nur dem absoluten High-End-Freak entgegen, davon profitieren ebenso auch der analoge Neueinsteiger und Wiedereinsteiger, der seinen bereits auf den Dachboden ausgelagerten Plattenspieler wieder revitalisiert, um vorhandenes und neues „schwarzes Gold“ für sich zu entdecken.
Vielfach ausgezeichnetes Preis/Leistungs-Verhältnis
Einer jener Hersteller, die schon länger auf diesen Trend abfahren, ist die südenglische Firma Talk Electronics mit der Marke Edwards Audio. Im deutschsprachigen Raum erst seit einigen Jahren am Markt, hat sich das Unternehmen auf den britischen Inseln schon längst einen Namen gemacht — vor allem mit einem herausragenden Preis/Leistungs-Verhältnis, das bereits vielfach ausgezeichnet wurde. Die Plattenspieler,
Phonovorverstärker, Verstärker, Lautsprecher und Kabel werden übrigens komplett in Großbritannien gebaut. Eines dieser — zutiefst britischen — Geräte hat mir jetzt der deutsche B&T Hifi Vertrieb zum Test zur Verfügung gestellt: die Phonovorstufe Edwards Audio MC1 Mk2.
Dieser Phonopre bereitet nicht nur die leisen Signale von Moving Coil (MC)-Tonabnehmern nach RIAANorm auf, sondern ist ebenso für den Anschluß von Moving-Magnet (MM)- oder High Output Moving Coil (HOMC)-Systemen gewappnet. Ein 220 mm breites, 70 mm hohes und 200 mm tiefes schwarzes Metallgehäuse, an der Frontseite das hinterleuchtete Firmenlogo (blau im MC-Betrieb — rot bei MM-Einstellung), an der Rückseite je ein vergoldetes Cinch/RCA-Buchsenpaar für Ein- und Ausgang, der Umschalter MC/MM, Netzschalter, Masseklemme und Netzanschlußbuchse. Die MC-Eingangsimpedanz ist auf 100 Ohm beschränkt, das paßt jedoch für viele Abtaster. Gegenüber der MM1-PSU1-Kombination aus dem eigenen Haus haben die Entwickler die Leistung nochmals durch ein hochwertigeres internes Netzteil, höher selektierte Operationsverstärker und Weiteres verbessert. Ein Highlight ist die vollständig RoHs-konforme (neue EU-Richtlinie zur Beschränkung gefährlicher Stoffe) und goldplattierte, zweilagige Platine. Vom Feinsten auch Bauteile, wie die mit einem dünnen Metallfi lm versehene, sehr eng tolerierten MELF-Widerstände von Vishay, PSU-Kondensatoren der Panasonic FM-Serie sowie Vishay Polyester/Polypropylen-FolienKondensatoren. Die RIAA-Kurve wird durch eine — eher seltene — Kombination aus aktiver Baß- und passiver Höhenentzerrung erzielt, beeindruckend die Genauigkeit von +/- 0,25 dB. Der Signal/Geräuschspannungsabstand liegt bei 87 dB(A)/MM, 5 mV, beziehungsweise bei 65 dB(A)/MC, 0,5 mV. Eine vollständig gepuff erte Ausgangsstufe mit sehr niedriger Ausgangsimpedanz soll Kabeleff ekte reduzieren und die Ausgangsspannung verbessern. Das speziell entwickelte Netzteil besitzt — laut Hersteller einzigartig in dieser Preisklasse — getrennte Plus- und MinusGleichstromausgänge für besondere Unempfindlichkeit gegen Störgeräusche bei höchster Dynamik und Übersteuerungsfestigkeit. Also kein Netzteil „von der Stange“, wie häufi g eingesetzt. Und das unscheinbare schwarze Kästchen entpuppt sich als gefalztes Stahlblech-Gehäuse mit neun Millimeter starkem, maschinell hergestellten Rahmen und Ganzmetallrückwand. Entscheidend ist jedoch, wie diese englische Phonostufe in unserem Setup klingt…
Fehlt denn da überhaupt irgendwas?
Das vorzügliche Van den Hul The Frog Gold ziert den 10“ Unipivot-Tonarm Cornet 1 an meinem Laufwerk Pear Audio Analog Capt. Handy SE. Ein fast 3.000 Euro teurer Abtaster an einer 600 Euro-Phonostufe?
Meine Überlegung: So kann ich leicht herausfinden, was dem MC1 Mk2 abgeht. „Nanu, fehlt denn da überhaupt irgendwas?“, frage ich mich, als die ersten wuchtigen Klänge der „Carmina Burana“ von Carl Orff meinen Abhörraum voll ausfüllen (DGG 139362). Eugen Jochum dirigiert Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin, mustergültig eingefangen von DGGTonmeister Klaus Scheibe. Der große Aufnahmeraum wird schön ausgeleuchtet, in dichten, komplexen Passagen geht kein Instrument des großen Orchesters unter. Die Stimmen der Solistinnen und Solisten haben Schmelz. Jetzt ist Klavier dran: Oscar Peterson und Bassist Niels-Henning Orsted Pedersen beim Jazz-Festival in Montreux 1979 (Pablo Live 2308224). Das Evergreen „Younger Than Springtime“ bringt mich zum Fußwippen, Klavieranschläge strahlen und perlen, wie ich es von Phonostufen eine Klasse höher erwarten würde. Deutlich höre ich Oscar Peterson summen und mitsingen. Die Improvisationen des dänischen Bassisten Pedersen lassen alles vibrieren. Ziemlich beeindruckend,
wieviel der kleine englische Phonopre von der enormen Klangfülle und Farbenpracht des VdH-Systems herüberbringt. Systemwechsel! Ein Clearaudio Virtuoso V2 ersetzt das grüne Frog. Diesen MM-Tonabnehmer der 800-Euro-Klasse sehe ich für die MC1 Mk2 eher als Partner auf Augenhöhe. Ein audiophiler Schatz meiner LPSammlung ist die 45er-Nachpressung „The Many Moods of Harry Belafonte“ (Impex/Living Stereo LSP2574), 1962 aufgenommen, 2013 von Cohearent Audio gemastert. In „Dark As A Dungeon“ ist ein Blitzeinschlag als elektrisches Knistern hörbar, gefolgt von Donnerschlag und Regenguß — ein Gewitter vor den Studiotüren. Aus Gründen der Authentizität hat man gegenüber dem Masterband nichts verändert. Harry Belafonte und seine Musikerkollegen vor dem rauschenden Regen musizieren zu hören, ist eine überzeugende Vorstellung der kleine Phonostufe in der MM-Einstellung. Makellos!
Technik
Mit weiträumiger Abbildung und einem hohen Grad an Gelassenheit stößt die preisgünstige MC1 Mk2 in deutlich höhere Preisregionen vor. Selbst komplexe Orchesterpassagen bringen die kleine Phonostufe nicht in Bedrängnis, den oberen Frequenzbereich geht sie zart und duftig an, rauhe Töne sind ihr fremd. Gegenüber wesentlich teureren Phonovorstufen fehlt etwas Kraft, Fundament und Farbe. Tipp: Gönnen Sie der MC1 Mk2 ein ordentliches Netzkabel — es lohnt sich! Und geben Sie acht: Suchtgefahr nicht ausgeschlossen!
Auf den Punkt gebracht
Die Edwards Audio MC1 Mk2 ist definitiv eine analoge Einstiegsdroge — aber nicht nur das. In die eigene Anlage integriert, hebt diese Phonostufe eine ganze Menge vom klanglichen Potential, das sich in Ihrer Plattensammlung verbirgt. Eine Empfehlung nicht nur für Neueinsteiger. Denn mit der MC1 Mk2 kann man glücklich werden – ein ganzes HiFi-Leben lang!
Harald Obst





